Gospelkünstler im Interview

Der sympathische Däne leitet Workshops in ganz Europa, seit 2008 auch in Deutschland. Unter der Woche singen in seinen eigenen Chören in einer Heilsarmee-Kirche im Kopenhagener Stadteil Fredericksburg mehr als 1.000 SängerInnen in vier Chören. Dazu kommen Kinderprojekte, die Arbeit im Studio an seinen Kompositionen und eine regelmäßige Gospelchurch. Aber Zeit für ein paar Fragen hat er immer ...

In deinem Studio gibt eine beeindruckende Sammlung von Gospel-CD´s, sicherlich einige hundert. Welches war der erste Gospelsong, der dich beeindruckt hat.  

Die erste CD, die mich beeindruckt hat, war eine, auf der “The Music City Mass Choir” aus Nashville sang. Auf der CD ist ein Lied mit dem Titel „No more pain“ Das ist sehr kraftvoll, und es hat mich wirklich tief berührt.

Wann hast Du angefangen, Chöre zu leiten?

Ich war 16 oder 17 Jahre alt, als ich anfing. Ich sang in einem Jugendchor, und unser Chorleiter hat aufgehört. Einige der Sänger wussten, dass ich ein guter Klavierspieler war, deswegen meinten sie, ich sollte auch den Chor leiten. Seitdem habe ich nicht mehr damit aufgehört.

Was ist deiner Meinung nach die Hauptaufgabe für einen Chorleiter?

Eine der wichtigsten Aufgaben ist, den Menschen das Vertrauen zu geben, dass SIE SELBST singen können. Sie auf einer Reise zu führen, auf der sie entdecken, dass sie durch Musik ihre Gefühle ausdrücken können. Für einen Gospelchorleiter gibt es noch eine weitere Dimension dabei, weil wir immer Geschichten erzählen, wenn wir singen. Gospel ist nur Musik – es ist Geschichtenerzählen. Jeder Gospelsong erzählt eine Geschichte. Von Hoffnung, von Freude  oder von Kummer – aber viele Chöre singen jeden Song so, als ob das keinen Unterscheid machen würde. Deswegen müssen wir uns auf die Geschichte konzentrieren. Wenn uns das gelingt, öffnet sich der Song ganz neu für den Sänger. Und für den Zuschauer.

Du leitest Workshops und Masschoirs in vielen Ländern. Dieselben Songs, aber mit sehr unterschiedlichen Menschen. Was sind da die Unterschiede? Sind die Menschen in den Chören stark beeinflusst von der jeweiligen musikalischen Tradition?

Musik ist eine Universalsprache. Meine Erfahrung ist, dass die Art, wie wir mit Gospelmusik umgehen, in den westeuropäischen Ländern sehr ähnlich ist. Ich unterrichte fast immer gleich, unabhängig davon, wo ich mich befinde. Die Herausforderung ist immer die gleiche: Geschichten erzählen, Musik fühlen, den „flow“ spüren – das ist immer gleich.

Und in Osteuropa? Die Arbeit dort liegt dir ja sehr am Herzen.

Man kann es vielleicht so sagen: Gospel in Europa ist, als ob die Musik nach Hause kommt, dorthin, wo sie hingehört. Auch wenn die Länder nicht mehr kommunistisch sind, ist der Geist der Leute immer noch beeinträchtigt von der Zeit, in der sie unter einer Diktatur gelebt haben. Gospel hat zu allen Zeiten den Menschen Hoffnung gegeben. Es sind Lieder über Freiheit. Gospel hat die Botschaft: Eines Tages werden wir frei sein. Das ist die Botschaft, die die Sklaven sangen, als der Gospel entstand. Diese Botschaft finden in Osteuropa offene Ohren. Die Lieder sprechen dann direkt von Situationen, die die Menschen selbst erlebt haben. In gewisser Weise kann man sagen, dass die Menschen dort sich leichter berühren und bewegen lassen von dieser Musik.  

 

Und wie ist dein Eindruck von Gospel in Deutschland?

Ich liebe es, in Deutschland zu arbeiten. Und das sage ich nicht, weil wir miteinander sprechen. Deutsche Sänger wollen gut sein bei dem, was sie tun. Sie wollen ein perfektes Ergebnis. Aber: Wir haben nicht immer dieselbe Vorstellung von dem, was „perfekt“ ist. Ich mag es sehr, einen deutschen Chor herauszufordern, die Leute aus ihrer Komfortzone herauszubringen, damit sie in einer neuen Art singen. Nämlich, mit mehr zu singen als nur mit ihrer Stimme – mit ihrem gesamten Körper! Sie sollen ihre Arme bewegen und sich selbst dirigieren, die Gesangstechnik vergessen und es einfach fließen lassen.

Das fällt mir auch schwer.

Stimmt, ist mir auch schon aufgefallen (lacht).

 Wie schreibst Du deine Lieder? Erst die Melodie oder erst das Thema und der Text?

Erst das Thema! Als ich jung war, schrieb ich die Melodie und den Text gleichzeitig, und ich hatte nicht immer ein Ziel oder einen Plan. Heute versuche ich, zuerst die Botschaft festzulegen. Ich schreibe etwas Text, vielleicht den Anfang eines Verses und den Anfang des Chorus. Dann sitze ich am Klavier und versuche, ein musikalisches Konzept für das Lied zu entwerfen. Soll es einen Vamp geben oder eine Bridge und solche Sachen. Danach entwickle ich Musik und Text gleichzeitig. Diese Arbeitsweise benutze ich bei 90% meiner Songs. Die anderen 10% sind musikalische Anarchie – alles passiert gleichzeitig am Piano.

Warum unterstützt Du den Gospelday und die Aktion Gospel für eine gerechtere Welt?

Das ist einfach: Ich habe keine andere Wahl! Vom ersten Moment an, als ich von der Aktion gehört habe, wusste ich: „Du musst ein Teil davon sein!“ Ich wusste sofort, das würde mich dazu inspirieren, dazu Songs zu schreiben. Für mich ist das mehr als eine Kampagne – es ist eine Bewegung. Gospelmusik ist der perfekte Katalysator für Veränderung. Gospel erzählt uns, dass wir geliebt werden und dass es Hoffnung gibt. Das ist es, was wir den Menschen zeigen sollten.  Nicht nur durch Musik, sondern durch unser Handeln. Wir sollten den Menschen zeigen, dass sie geliebt werden. Egal, wo sie leben. Egal, was sie glauben. Meine Motivation mitzumachen ist, dass ich Menschen Hoffnung geben will. Damit sie glauben können, dass sie es wert sind, geliebt zu werden.  

Gibt es den Gospelday auch in Dänemark?

Ja, im Juni haben wir unseren dritten „GospelAid“-day. Wir unterstützen Kinder in Ägypten.

Der neue Song für den Gospelday 2015 heißt „We are changing the world“. Eine ziemliche Herausforderung. Was gibt Dir die Zuversicht, dass das überhaupt möglich ist?

Ich hab´s gesehen! Wir verändern die Welt TATSÄCHLICH. Das ist auch ein Ergebnis von Gospel für eine gerechtere Welt. Das Leben von Menschen hat sich verändert, ihre Welt hat sich verändert. Durch die Musik und durch die vielen Spenden. Vielleicht bin ich naiv und vielleicht bin ich eine Art Hippie – aber ich glaube fest daran, dass wir die Welt verändern können. Ich glaube fest daran, dass wir es schon tun. Wir haben eine große Verantwortung, weil uns viel gegeben wurde. Und die gute Nachricht ist: Wir haben Gott an unserer Seite!

Vielen Dank!

"Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?"

Psalm 8,5

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