Sklaverei

Sklaverei bedeutet...dass Menschen wie ein Eigentum behandelt werden, d.h. sie werden verkauft und/oder leben unfrei. Sklaverei gibt es in fast jedem Land der Erde. Verbeitete Formen sind z.B.: Zwangsarbeit, Zwangsprostitution, Kinderarbeit, Kindersoldaten, Schuldknechtschaft (der Schuldner ist selbst die Sicherheit für einen Kredit).


Früher

Das dunkelste Kapitel der Seefahrt
Der transatlantische Sklavenhandel war die größte Zwangsumsiedlung der Geschichte. Schätzungen zufolge wurden 18 Millionen Menschen aus Afrika nach Amerika verschleppt. Die Zustände auf den Schiff en waren katastrophal. Die Entdeckung und Besiedlung der „Neuen Welt“ war von Anfang an mit der Sklaverei verbunden. Schon wenige Jahrzehnte nach der Entdeckung Amerikas war die Urbevölkerung durch Krankheiten, Brutalität und unmenschliche Arbeitsbedingungen bereits stark dezimiert. Das wirtschaftliche Überleben der europäischen Eroberer hing an Arbeitskräften für Plantagen und Minen. An der Westküste Afrikas entstand ein lukrativer Handel: Rivalisierende afrikanische Völker pfl egten traditionell ihre Kriegsgefangenen zu versklaven. Die weißen Händler boten die Möglichkeit, sie gegen Waren aller Art zu tauschen. Als die Nachfrage stieg, wurden ganze Dörfer überfallen und gekidnappt. Auf diese Weise wurden oft ganze Stämme ausgelöscht.

Die Schiffe riecht man auf eine Meile
Die karibischen Inseln waren der Hauptumschlagplatz. Die Reise entlang des Äquators dauerte 100 Tage, bei schlechtem Wetter mehr. Die Zustände waren bestialisch. Oft transportierte ein Schiff mehrere hundert Sklaven, die auf engen Pritschen angekettet waren. Um die Kapazitäten zu erhöhen, wurden Zwischendecks eingezogen. Die Menschen konnten nicht aufstehen und mussten mit einem halben Quadratmeter Platz auskommen. Ein Zeitzeuge sagte aus: „Der Gestank ist so erbärmlich, dass man ein Sklavenschiff auf dem offenen Meer eine Meile weit riecht.“ Wenn die überladenen Schiffe sanken, rissen sie die Sklaven mit in die Tiefe und in den sicheren Tod.
Wurden Nahrungsmittel oder Wasser knapp, wurden auch lebende Sklaven über Bord geworfen. Dies hatte den Vorteil, dass die Versicherung den Schaden an der „Ware“ übernahm. Auch der Sklavenkapitän John Newton erlebte dies auf seinen Fahrten: Von 218 Sklaven auf der „Brownlow“ sterben 67 an Infektionen, Hitzschlag, Seekrankheit, bei Schlägereien oder durch Selbstmord. Mit der „African“ bringt er gerade noch 87 Sklaven von Sierra Leone nach Charlston / USA. Angewidert und entnervt gibt er sein Kapitänspatent ab und wird Hafenmeister in Liverpool.
Für die Menschen auf den Schiff en ist die Überfahrt nur eine Folter unter vielen. Zwar werden sie zum Teil als „Investition“ betrachtet und gut behandelt – sie bleiben jedoch unfrei und der Willkür ihrer Besitzer ausgeliefert. Fluchtversuche werden hart bestraft, Familien werden auch in der neuen Welt durch den Weiterverkauf zerstört. Erst nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs (1861-1865) wird die Sklaverei in den USA abgeschafft, in anderen Teilen Amerikas dauert es noch länger. Die vollständige Gleichberechtigung erlangten die Nachfahren der Sklaven erst einhundert Jahre später durch die Bürgerrechtsbewegung und Martin Luther King.

Heute

Moderne Sklaven sind nicht immer angekettet
Laut einer Studie der UN arbeiten 27 Millionen Menschen als Sklaven. Sie schuften in Minen und Plantagen, in Haushalten, auf Baustellen und in Bordellen. „Man behandelt uns wie Sklaven!“ – in vielen Medienberichten hört man den Begriff , wenn schlechte und ungerechte Arbeitsbedingungen beschrieben werden sollen. Im Allgemeinen spricht man von „Sklaverei“ wenn ein Mensch wie Eigentum behandelt wird. Das Wort selbst stammt aus dem Griechischen und meint „Kriegsbeute machen“. Das erinnert daran, dass in der Antike die meisten Sklaven Kriegsgefangene und deren Nachfahren waren. Heute ist die Abhängigkeit der Sklaven sehr viel komplizierter.
Seit den 1980er Jahren ist die Sklaverei in jedem Land der Erde offiziell verboten – dennoch sind weltweit 27 Millionen Menschen versklavt (UNO). Wenn Menschen verkauft werden, wenn sie rechtlos sind, wenn sie ihren Aufenthaltsort nicht bestimmen können oder allgemein wie eine Sache behandelt werden, kann man sicher von Moderne Sklaven sind nicht immer angekettet „Sklaverei“ sprechen. Formen der Sklaverei sind z.B. Menschenhandel (nicht der Menschenschmuggel über Grenzen, sondern der Verkauf von Menschen), Zwangsarbeit, Zwangsprostitution, Kindersoldaten, Schuldknechtschaft (Schulden werden oft über Generationen abgearbeitet) u.v.m.. Es sind nicht immer Ketten, die die Menschen gefangen halten. Todesdrohungen, Schulden oder Angst sind oft effektiver.

Wie zur Zeit John Newtons zerstört die Sklaverei Lebenspläne und Träume, Familien und Talente und sogar ganze Gesellschaften. Im Jahr 2014. Mitten unter uns.

Fatama Seesay Portrait
Fatama Sessay (20) ehemalige Kindersoldatin Foto: Brot für die Welt, Zeitspiegel
Indisches Kind
Brot für die Welt, Indien Dhanbad Kinder sammeln Kohle am Rande eines Kohletagebaus zum Verkauf als Koks auf dem Markt

"Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell."

Jesaja 9,1