Gospel und Gerechtigkeit - das gehört zusammen

Gerechtigkeit ist ein zentrales Thema traditioneller Gospelmusik. Besonders in den Spirituals, den volkstümlichen Liedern der schwarzen Sklaven Nordamerikas, klingt der Ruf nach Freiheit und Gerechtigkeit: „Nobody knows the trouble I´ve seen“ oder „Let my people go“ sind bekannte Beispiele dafür.

Einige der alten Gospelsongs waren verschlüsselte Wegbeschreibungen für flüchtende Sklaven. Der „Jordan“ war zum Beispiel ein Synonym für den Ohio River, der Grenze zu den Bundesstaaten, in denen die Sklaverei verboten war. Es entstand ein zusammenhängendes Netz von Helfern, Unterkünften und Transportmöglichkeiten, die so genannte „Underground Railroad“. Die Lieder waren eine wichtige Hilfe dabei, diese Informationen unentdeckt weiter zu geben. Musik, Glaube und Handeln sind schon damals ein- und dieselbe Sache gewesen.

Underground Railround
Fluchtrouten aus den Südstaaten der USA in den freien Norden. Entlaufene Sklaven wurden teilweise sehr weit verfolgt, deswegen reichten die Fluchtwege bis nach Kanada.

Ein Blick ins Repertoire

Die Sklaverei jener Tage gibt es nicht mehr – Ungerechtigkeit und Abhängigkeit sind geblieben. Deshalb hat sich die die moderne Gospelmusik (contemporary Gospel) die Sehnsucht nach Gerechtigkeit erhalten. Benefizkonzerte gehören in das Jahresprogramm vieler Chöre. Und ein Blick in das Repertoire zeigt: Einige Lieder erzählen von der Sehnsucht nach Freiheit und der Rettung aus Gefangenschaft. Von der Hoffnung, dass wir eines Tages die Herausforderungen dieser Welt bewältigen. Von der Dankbarkeit über die unglaubliche Gnade, Freude und Frieden zu erleben. Sie erinnern uns an unsere Verantwortung, die wir haben und durch die wir gefordert sind, unser Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Frieden und Freiheit wird es nicht geben, solange es Ungerechtigkeit gibt. Es fehlt an Nahrung, an Bildung und fairen Chancen, an gerechter Verteilung von Gewinnen und Belastungen. Jeden Tag, für Milliarden Menschen. Deswegen singen wir diese Lieder.

Die gute Nachricht singen und ernst nehmen

Gospel heißt „Gute Nachricht!“ Deswegen sagen viele Chöre „Gospel ist mehr als Musik!“ – Stimmt! Aber was ist das mehr? Die Nachricht des Gospel lautet: Du bist Gott unendlich wichtig. Er tröstet dich, gibt Dir Kraft für den Alltag und Hoffnung für dein Leben. In Jesus kommt er dir ganz nah. Er ist dein Retter aus Angst und Verzweiflung.

Diese Nachricht verbreitet sich nicht nur mit Worten. Sie strömt aus der Energie der Gospelsongs und der Freude der SängerInnen. Auch im Alltag, wenn wir Verantwortung für die übernehmen, die Hilfe brauchen.

"Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell."

Jesaja 9,1

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